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Odyssee einer jungen Frau
Oft überfällt mich eine tiefe Angst, eine Unruhe die mir den Schlaf raubt; eine aufdringliche Hast, die mich umhertreibt und doch nicht vorwärts bringt; eine Ungewissheit, die mich quält. Aus tiefstem Herzen sehne ich mich nach Ruhe, nur Ruhe. Oder Frieden gepaart mit einer Stille, die jegliche Art des Lärmes und der Eile verzehrt. Einfach da sein und genießen, jeden Atemzug bewusst kosten und leben, leben... Doch das ist nur Träumerei, Utopie! Eine Art schöne Wahnvorstellung, die mir einige kurze Augenblicke des Verschnaufens gönnt, bevor ich wieder in die schonungslose Realität zurückversetzt werde, die mir Stück für Stück und Jahr um Jahr langsam und umso schmerzhafter meinen Lebenssaft entzieht. Oh, wüsste ich doch, wo ich finden kann, wonach ich suche! Die Zeit rinnt,
ich kann beinahe den Strom der Sekunden, Minuten und Stunden hinwegfließen sehen. Krampfhaft versuche ich das Jetzt mit beiden Händen festzuhalten, während ich spüre wie es mir entgleitet. Und zurück bleibt eine schwarze bodenlose Leere, Sehnsucht nach längst Vergangenem. Die Suche nach der Vergangenheit macht mich mürbe und hinterlässt ein flaues Gefühl in meiner Magengegend, dass mir den Appetit raubt. Hatte ich tatsächlich geglaubt im Früher etwas zu finden?
Ich weiß ja nicht einmal, was ich suche... Meine Augen weiden sich an der Sonne, die mit ihren glühenden Morgenstrahlen das Meer und das Firmament in feuriges Leuchten taucht und können sich nicht satt sehen. Welche Energie strömt durch diesen Feuerball auf die Erde herab! Eine tiefe Ehrfurcht ergreift mich: Im Bewusstsein einer gegenwärtigen Macht löse ich die Riemen meiner Sandalen und spüre den feuchten und nachgiebigen Sand unter meinen Füßen. Mein Gesicht streckt sich dem unendlich weiten und doch fast greifbar nahem Himmel zu; die Luft schmeckt etwas salzig. Während ich jeden Zug dieses Lebenselixiers genussvoll in mich strömen lasse, spüre ich wie die frische Meeresbrise ganz sanft meinen Körper streichelt und durch ihre Liebkosungen jahrelang aufgestaute Verkrampfungen in mir löst. Da stehe ich
inmitten all dieser überwältigenden Größe und Herrlichkeit und spüre wie ich kleiner und kleiner werde, bis ich ganz klein bin - so klein, dass jegliche Überlegenheit, jeglicher Anflug von Stolz verschwinden und ein Gefühl in mir zurückbleibt, das ich vorher in solch einem Ausmaß noch nie zuvor erlebt habe. Während mein egoistisches Ich sich mehr und mehr zurückzieht und ich zerbrochen und voll schmerzhafter Selbsterkenntnis nach irgendeinem Halt suche, spüre ich wie die Gegenwart eines übersinnlichen Wesens um mich herum wächst, beinahe blendend hell erstrahlt und alles mit Licht überflutet, auch mich.
Stille breitet sich aus, ehrfurchtsvolle Stille. Ich wage kaum zu atmen. Ich fühle die Allmacht, die über die Schönheit um mich herum regiert und ahne etwas von der Stärke der Arme, die den Weltraum beherrschen. Es durchfährt mich ein heißer Blitz gleich einem Lichtstrahl der sich seinen Weg durch die Finsternis bahnt: Du hast gefunden, wonach du schon immer suchtest! Die tiefe Ruhe an dessen Seite deine quälende Rastlosigkeit nicht lange überlebt, erlebst du nun, da du die Allmacht und wunderbare Größe und Schönheit des Einen ansiehst, der deine Seele liebte und deine Geschicke mit sorgfältiger Hand lenkte als du noch kaum ahntest, welche Existenz über dir wacht. Ich gebe mich hin in diese starken Arme, die mich fest und doch sanft halten wie ein zerbrechliches Baby. Ich spüre den liebevollen gnädigen Blick des Einen, zu dem sich mein Herz voll Dankbarkeit und Sehnsucht streckt. Ich bin glücklich, unendlich glücklich...
Jenya Mae, Januar 2004 |
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