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  Keine Zeit

 

Wir haben verschiedene Bibelübersetzungen im Schrank, verschiedene Gemeinden vor unserer Haustür und wissen alles über Gott und seine Mission, die Menschheit zu retten. Dabei jammern wir, dass die Zeiten hart sind hier in Deutschland, andere Christen nicht genauso glauben, wie wir es für richtig halten und unser Alltag so voll gestopft mit wichtigen Sachen ist.

Wir lesen in der Bibel und wir lesen sie mit Stolz und Verstand, wir wissen und verstehen alles, was wir da lesen, und wir machen uns Gedanken darüber, ob andere Mitschwestern und Brüder es wohl genauso richtig verstehen wie wir.

So streiten wir uns über Bibeltreue und merken nicht, wie tausende Menschen um uns herum verloren gehen. Wir sind erschüttert über die Fortschreitung der Sünde und vergessen, dass alle zwei Sekunden ein Mensch verhungert.



Wir lesen die Bibel und wir zensieren sie mit unserem Verstand, so dass sie unser Herz nicht mehr erreicht. Wir bitten um Vergebung, können uns aber nicht mehr darüber freuen. Wir sehen die Verlorenen und können nicht mehr über sie weinen. Wir streiten uns über Kleinigkeiten und sind nicht über unser eigenes Verhalten erschrocken.

Wir haben das Evangelium auf unseren Verstand zurechtgestutzt und hindern so den Geist Gottes zu wirken und verweigern uns dem ganzheitlichen Auftrag des Evangeliums. Wir wollen Menschen bekehren, aber wir sehen nicht ihre Nöte und sind nicht bereit, ihnen zu dienen. Wir wundern uns, dass uns die Menschen um uns herum nicht hören, wenn wir ihnen was von Jesus sagen und unser Christsein keine geistliche Vollmacht und Liebe mehr hat.

Wir drehen uns nur um uns selbst und bedauern uns, statt dass wir uns aufmachen zu unseren Nachbarn und Arbeitskollegen, sie ernst nehmen und Zeit für sie und ihre Nöte haben.

Vielleicht hungern sie nicht nach Brot und Wasser, aber nach Anerkennung und Liebe.

Doch dafür haben wir keine Zeit

 

Alice Eberhardt


 




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