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Fernsehen & Co.: Unbequeme Wahrheiten (Teil 2)
Besonders verheerend sind die Zusammenhänge zwischen Medien und Gewalt, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Spätestens bei gewaltsamen Computerspielen etwa sehen die Jungen nicht nur, wie die Kugel den "Gegner" trifft. Sie können sogar selbst zur Waffe greifen, um sich ballern, morden. Sicher, auch Kinder wissen, dass der Bildschirm nicht zwangsläufig die Realität abbildet, möchten viele Experten glauben machen. Unter dem Motto: Nicht jeder Jugendliche, der bei einem Gewaltspiel am Computer Menschen erschießt, tut das auch in Wirklichkeit. Das stimmt sogar. Viele weitere unheilvolle Faktoren in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, müssen zusammenkommen, um einen jugendlichen Computerspieler zum Amokläufer werden lassen.
Doch die Förderung von Gewaltpotential ist nicht die einzige Auswirkung der neuen Medien. Auch der Bildungsstandard leidet unter dem Einfluss der Dauerberieselung. Das KFN befragte 6.000 Schüler der 4. Klasse in elf Städten und Landkreisen nach ihrem Fernseh- und Computerspiele-Verhalten und verglich mit den Angaben deren Schulnoten in den Fächern Deutsch, Sachkunde und Mathematik. Ergebnis: Kinder, die einen eigenen Fernseher oder Spielkonsole im Zimmer haben, haben durchweg schlechtere Schulnoten als ihre Mitschüler, die wesentlich weniger Zeit vor den Bildschirmen verbringen. Denn statt den PC "pädagogisch wertvoll" für Lernprogramme zu nutzen, ist doch in den meisten Fällen genau das Gegenteil der Fall: Computerspiele sind einfach unterhaltsamer als Programme zum Lernen von Englischvokabeln.
Mahnungen an Erzieher und Lehrer
Die Ergebnisse erschüttern die häufig vertretene Ansicht, Kinder möglichst früh mit Fernsehen und Computer vertraut zu machen. Im späteren Berufsleben kämen die Jugendlichen ja ohne ausreichende PC-Kenntnisse nicht zurecht, wird immer wieder angeführt. "Wir sehen mit Sorge, dass Erzieher in Kindergärten heute zwar mit dem Computer, dafür aber nicht mehr mit der Gitarre umgehen können", sagt Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Instituts, dazu. Die Entwicklung der Kinder wird durch zu frühen Fernseh- und Videospiele-Konsum schlicht unzureichend gefördert.
Medienkompetenz: Eltern sind gefragt
Bei aller Kritik und Selbsterkenntnis steht eines fest: Medien sindBestandteil dieser Gesellschaft und werden sich daraus nicht mehrverdrängen lassen. Und: Medien sind verführerisch, weil sie so bequemsind, keine Anstrengung fordern. Wenn wir unsere Kinder nicht derFaszination von Fernsehwirklichkeiten und dem Sog der Computerspieleüberlassen wollen, müssen wir ihnen helfen, zu einem verantwortlichenund kritischen Umgang zu finden und selbst ein gutes Vorbild geben.Medienkompetenz lautet das Schlüsselwort.
Eltern würden ihr Kind niemals allein auf den Straßenverkehrloslassen oder ein Grundschulkind ohne Begleitung in die nächsteGroßstadt schicken. Die Gefahren, die der Straßenverkehr mit sichbringt, sind uns allen bewusst. Die Einflüsse und Auswirkungen, die einunkontrollierter und unkritischer Medienkonsum mit sich bringt, werdenhingegen noch immer zu wenig bedacht.
Wenn sie nicht auf eine medienfreie Insel ziehen wollen, bleibtEltern und Erziehern nichts anderes übrig, als vom Kindergartenalter ankonsequent Medienerziehung zu üben. Abschalten ist die erste Regel, dieKinder lernen müssen. Medienkompetenz bedeutet aber auch: unterscheidenzwischen guten und schlechten Angeboten. Dafür müssen sich Erwachseneals Vorbilder und Gesprächspartner hinterfragen lassen.
Aber auch die Programmmacher und Spiele-Hersteller sind gefragt: Siehaben eine Verantwortung gegenüber den Nutzern, die sie nicht denVerkaufszahlen und Zuschauerquoten unterordnen dürfen. Dabei geht es umwesentlich mehr, als nur darum, ob bei Filmen oder Spielen dieAltersfreigaben beachtet werden. Auch wir als Publikum tragenVerantwortung: Sei es durch gezielte Kritik, Leserbriefe und Anfragenoder durch Teilnahme an Zuschauerbefragungen. Solange wir nurhinnehmen, was uns die Medien bieten, solange wir die Rechnung zahlenohne Widerspruch und Protest, wird sich nichts ändern.
Zitieren wir nochmals Manfred Spitzer, den Freund klarer Worte:"Zusammenfassend zeigt sich, dass ein Computer genau das Gegenteildessen bewirkt, was Eltern für ihre Kinder wollen. Um es daher nocheinmal klar zu sagen: Wer seinem Kind in körperlicher, geistiger undseelischer Hinsicht etwas Gutes tun will, der kaufe ihm keinenComputer! Und wer in Schule oder Kindergarten Verantwortung trägt, dersorge dafür, dass finanzielle Mittel nicht für Computer ausgegebenwerden, sondern für Kreide und vor allem für die Einstellung guterLehrer und Erzieher."
Ellen Nieswiodek-Martin & Andreas Dippel (Quelle Medienmagazin Pro) |
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